Die Firmengeschichte von Kastner & Öhler ist knapp 140 Jahre alt. Kommen Sie mit uns auf eine Zeitreise durch die vergangenen Jahrzehnte...
Die Geschichte von Kastner & Öhler
Der Buchhalter Carl Kastner, 24, und der Verkäufer Hermann Öhler, 26, gründen am 1. April 1873 in Troppau (heute Opava in Tschechien) die „Kurzwarenhandlung Kastner & Öhler“. Hermann Öhler ist ein geschickter Einkäufer, während Carl Kastner die Warenmanipulation (Produktion bzw. Anfertigung von Waren, oftmals in Heimarbeit) ausgezeichnet beherrscht. In den kommenden Jahren entstehen mehrere Niederlassungen, unter anderem 1879 die Niederlassung in Agram/Zagreb.
Carl Kastner versäumt den Anschlusszug und findet bei einer Erkundungstour durch die Stadt ein freies Geschäftslokal – Sackstraße 7 – und mietet dieses sofort an. Es entsteht das Stammhaus Graz. Verkauft werden zunächst „außerordentlich billige Gelegenheitswaren“. Der Gesamtumsatz im ersten Geschäftsjahr beträgt bereits 90.000 Gulden (rd. 837.000 Euro).
Seit 1885 gibt es „feste Preise“, eine Neuheit in Mitteleuropa, denn bis dahin verhandelten die Kunden den Preis. Die fixen Preise ermöglichten den nächsten innovativen Schritt: 1887 startet Kastner & Öhler als eines der ersten Unternehmen in Europa mit dem Postversand. Mehrsprachige Kataloge werden an Kunden in der gesamten Donaumonarchie verschickt. Nur in Frankreich gibt es eine ähnliche Firma.
Für den Bau der „Kleinen Halle“ werden angrenzende Häuser in der Badgasse gekauft. Mit dem Aufsehen erregenden Geschäftsbau entsteht das erste wirkliche Warenhaus in der k.u.k. Monarchie. Die Galerien reichen über 3 Stockwerke, die mit Liften erreichbar sind. Außerdem verfügt die Warenhaushalle über einen Innenhof, der mit einem Glasdach überdacht ist.
Kastner & Öhler bemüht sich sehr um die sozialen Vorteile der Mitarbeiter. Meist sind die freiwilligen unternehmenseigenen Sozialleistungen den gesetzlichen Vorgaben weit voraus. So gibt es bereits 1890 einen Spar- und Unterstützungsverein für Mitarbeiter – dieser Verein besteht noch heute. Zudem gibt es beispielsweise medizinische Versorgung mit täglicher Ordination im Betrieb (ab 1903), Urlaubsgeld-Zahlungen (ab 1905), die Sonntagsruhe (ab 1906), Pausenräume für das Personal (ab 1912), einen Sport- und Kunstclub (ab 1927) oder aber auch Firmenkredite zum Erwerb von Eigenheimen (ab 1930) sowie einen Betriebskinderkarten (ab 1952).
1912/1913 entsteht der große Neubau in Graz, geplant durch die Architekten Fellner & Helmer, auch Errichter der Grazer Oper, mit Kundenliften, Lüftungsanlage, Eigenstromanlage, Rohrpostanlage und Erfrischungsraum mit Musik. Das Herzstück ist die „Große Halle“, ein reich verzierter und geschmückter Prachtraum mit einer bunten Glaskuppel. Mittlerweile beschäftigt Kastner & Öhler 330 Mitarbeiter und das Sortiment wird durch Schuhe, Hüte, Parfumerie, Lederwaren/Papierwaren und Herrenkonfektion erweitert. Ab 1917 ergänzen Spielwaren, Haushaltsartikel, Porzellan/Glas sowie Herde und Öfen das Angebot
Um beim Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich eine Enteignung abzuwenden, wird das Unternehmen 1939 freiwillig von den Eigentümern an deren Schwiegersöhne verkauft. Die bisherigen Eigentümer Franz Öhler, Dr. Richard Kastner und Albert Kastner fliehen nach Kroatien. Einige Zeit später wird Franz Öhler verhaftet und stirbt 1945 im Konzentrationslager Buchenwald. Aufgrund der nationalsozialistischen Rassengesetze muss das Unternehmen zwischenzeitlich in „Alpenlandkaufhaus“ umbenannt werden. Nach einem Bombenangriff 1945, der auch den Admonterhof zerstörte, begann der Neustart mit der dritten Gesellschafter-Generation und nur mehr 168 Mitarbeitern.
Die nächste Innovation war die Installation der Rolltreppe 1959. Kastner & Öhler hatte damit die erste Rolltreppe in der Steiermark in Betrieb genommen. In diesem Jahr wird das Unternehmen auch mit dem Österreichischem Staatswappen ausgezeichnet.
1973 wird das 100-Jährige Firmenjubiläum gefeiert. Der Löwe, entworfen von den polnischen Künstlern Grabianski & Jablonski, wird als Logo installiert und prägt knapp 20 Jahre lang das Grazer Stadtbild. Gleichzeitig wird der Umbau in Graz fertiggestellt – ab sofort gibt es das vierte Obergeschoß, Rolltreppen in allen vier Geschoßen und neue Stiegenhäuser.
Ab 1978 beginnt die Spezialisierung von Kastner & Öhler in die Richtung Sport. In diesem Jahr wird in Klagenfurt das erste Sporthaus eröffnet. Insgesamt verzeichnet Kastner & Öhler einen Gesamtumsatz von knapp 2 Mrd. Schilling, die Hälfte davon wird im Grazer Stammhaus erzielt. 1982 wird der Grazer Standort um ein eigenes Sporthaus mit 2.500 m? Verkaufsfläche erweitert. 1985 veranstaltet Kastner & Öhler die erste Wintersportmesse und Franz Klammer zeigt im Skikatalog was Mode ist.
Das Grazer Haupthaus wird von den Architekten Szyszkowitz & Kowalski neu gestaltet, wobei die Verbindung von alter Substanz mit modernen Elementen im Vordergrund steht. Neu hinzukommen das Jugendstilhaus, das Mediahaus sowie das Glasvordach und die neue Fassade mit den adaptierten Schaufenstern.
18 Monate Bauzeit beanspruchte die Kastner & Öhler Tiefgarage, die am 23. Oktober 2003 feierlich eröffnet wurde. Die transparente, helle und freundliche Ausstattung setzt neue Maßstäbe für den Bau von Tiefgaragen in ganz Österreich.
2004 fällt der Startschuss für das Filialerneuerungsprogramm mit der Ausrichtung auf die Zwei-Markenstrategie: Kastner & Öhler mit dem Schwerpunkt Mode und Gigasport mit dem Schwerpunkt Sport.
Die spanischen Architekten Fuensanta Nieto & Enrique Sobejano entscheiden die Ausschreibung eines internationalen Architektenwettbewerbs für die Neugestaltung von Kastner & Öhler für sich. Am 20.10.2010 wird der neu gestaltete Kastner & Öhler feierlich eröffnet.
Aufgrund des Unternehmenswachstums wird das in 5. Generation bestehende Vorstandsteam Thomas Böck und Martin Wäg im Juli 2011 durch Andreas Zinschitz um ein drittes Vorstandsmitglied erweitert.
Kastner & Öhler hat im Jahr 2012 bereits 49 Kastner & Öhler und Gigasport Standorte in Österreich, Tschechien, Slowakei und Slowenien und beschäftigt 1.820 MitarbeiterInnen.