1873-1-2019 Seite 28

Sagan Vienna

Das Taschenlabel SAGAN VIENNA setzt altbewährte Materialien in zeitgenössischen Kontext. Gründer Tanja Bradaric und Taro Ohmae nehmen dabei starke Bezug auf ihre Wahlheimat Wien.

Neue Wiener Moderne

von NINA GLATZEL

 

Sie ist die quirlige Kroatin, die am Strand von Split aufgewachsen ist. Er ist der zurückhaltende Japaner, der Sneakers sammelt und eine Leidenschaft für Tennis hat. Zusammen sind Tanja Bradaric und Taro Ohmae das Label Sagan Vienna. Österreichs erfolgreichster Exportartikel, wenn es um einprägsame Taschen geht. Ihre Shopper und Crossbody Bags verkaufen sich bis nach Australien und Japan. Erfolgsrezept ist der freche Materialmix, den das Duo für seine Entwürfe wählt. 2012 entdeckten Sagan Vienna das Wiener Geflecht für sich, später experimentierten sie auch mit anderen Materialien wie österreichischen Lodenstoffen oder rumänischem Vintage-Leinen.

Das Flechtwerk aber machten sie zu ihrem Markenzeichen. Eine Kindheitserinnerung Ohmaes entfachte die Leidenschaft für das Material: „Meine Großmutter in Osaka besaß einen Marcel Breuer-Stuhl, der von Thonet hergestellt wurde. Er knarrte, wenn man sich daraufsetzte.“ Ohmae dachte zunächst, der Sessel sei asiatischen Ursprungs, „weil er ein atmungsaktives Geflecht hatte. In Japan ist die Luft immer feucht“. Als er nach Wien zum Studieren an die Universität für angewandte Kunst kam, wurde er eines Besseren belehrt.

 

SAGAN Vienna_portrait photo_high resolution_credits Jork Weismann

Erste Schritte mit Taschen

„Wir sind ohne Businessplan gestartet und haben das anfangs eher als Projekt gesehen“, erzählen die Designer. Taschen produzierten sie vorerst nur für Stylingzwecke für ihre 2012 gegründete Modelinie Bradaric Ohmae. Eine Freundin, die Industrial Design studierte, empfahl ihnen eine Fabrik, die das erste Taschenmodell professionell umsetzte. „Dann haben wir immer mehr Modelle ausprobiert und gemerkt, dass sie Aufmerksamkeit bekommen“, erinnert sich Bradaric. Handgeknüpfte Lederseile, die als Schultergurt dienen, werden als charakteristisches Designelement eingesetzt. Immer mehr verschiebt sich der Fokus der öffentlichen Wahrnehmung auf Accessoires. 2016 nehmen Bradaric Ohmae die Märkte Australien, Taiwan und Korea in Angriff. Zu dieser Zeit sind sie bereits in Japan erfolgreich. Und benennen sich in Sagan Vienna um. „Alle Geschäftspartner waren erleichtert, weil der Name viel einfacher auszusprechen ist“, erzählt das Duo. Sagan ist Japanisch und bedeutet „die linke Seite des Flusses“. Bradaric und Ohmae verbinden den Begriff mit Paris: „Rive Gauche, die linke Seite der Seine, wo die Künstler angesiedelt waren.“ Wo die Kultur zu Hause war und nicht der Mainstream.

Traditionen recyceln

„Unsere Taschen können ein großes Publikum ansprechen, sind aber nichts, was man jeden Tag sieht“, konstatieren Sagan. Taschen mit lässigem Chic, die als Statement-Pieces fungieren. Entspannte Eleganz mit durchdachtem Design. „Familiar done differently“ – so der Slogan der Marke. „Wir möchten Altbewährtes zeitgenössisch übersetzen und für die Jugend spannend machen“, erklären die Designer. So entstand ihr Faible für das Material Horn, das sie als Taschenverschlüsse und -henkel recyceln. Und so entstand auch ihre Leidenschaft für das Wiener Geflecht, das sie in neuen Kontext bringen wollten: „Weil wir in Wien leben und einen emotionalen Bezug dazu haben.“

 

SAGAN Vienna_Vienna Crossbody Bag_photo credits LISA EDI

Wiener Geflecht im Trend

2012 waren sie damit absolute Vorreiter. Mittlerweile ist das Wiener Geflecht immer stärker im Trend. „Das Bewusstsein für das Material ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen“, beobachtet auch Bradaric. Vor allem auf Messen wie der Pariser Maison&Objet sieht man das Wiener Geflecht: bei Betten und Sideboards, Aufbewahrungsdosen und Tabletts. Sogar die spanische Textilkette Zara verwendete das Material für ihre Taschen. Ein Schelm, der dabei an Copycats denkt. Sagan halten dennoch an ihrem Markenzeichen fest: „Louis Vuitton hat sein Monogramm, wir das Wiener Geflecht.“ Mit neuen Farben und verbesserten Formen erfinden Sagan ihre Taschen kontinuierlich neu. Wichtig ist dem Label dabei auch die Namensgebung. „Wir nennen sie Vienna Crossbody und Vienna Shopper Bag – nach unserer derzeitigen Heimatstadt.“

 

WIENER GEFLECHT DETAILVERLIEBT ZWISCHEN GEFLECHT UND GEFLOCHTENEM. DAS WIEDERENTDECKTE TREND-MATERIAL IST DAS MARKENZEICHEN VON SAGAN VIENNA.

 

Produktion in Europa

Produziert wird in Manufakturen in Spanien und Belgrad. Italienisches Kalbsleder in Topqualität liefert ein Hersteller, der auch Tom Ford und Valentino ausstattet. Kleine Handarbeiten und das Design übernehmen Sagan Vienna in Wien selbst. Die Rollenverteilung abseits des Designs ist dabei eindeutig. Bradaric kümmert sich um organisatorische Fragen und um die Kommunikation mit den Fabriken. Ohmae ist eher für technische Aspekte zuständig. „Wie kommt der Henkel auf Tasche?“, ist beispielsweise eine seiner Aufgabenstellungen. Unterschiedliche ästhetische Zugänge haben die beiden meist nicht. Dass sie aus gegensätzlichen Kulturkreisen kommen, fällt nicht ins Gewicht. „Unser ganzes Leben ist ein Mix und Match, auf jeder Ebene“, lachen sie, „wir sind Junge und Mädchen, aus Asien und Europa, sprechen Deutsch und Englisch, alle unsere Freunde sind international.“ Es sei also völlig natürlich, Dinge zusammenzuwürfeln – nicht nur bei den Materialien. „Das ist in unserem Unterbewusstsein verankert“, sagen sie, „und weniger eine philosophische Frage als eine praktische.“

Tanja Bradaric und Taro Ohmae

2007 wechselt der Japaner Taro Ohmae nach einer abgeschlossenen Ausbildung am Bunka Fashion College in Tokio an die Universität für angewandte Kunst in Wien. Die Kroatin Tanja Bradaric steht da kurz vor ihrem Abschluss und braucht Hilfe bei der Diplomkollektion. Schnell ist klar, dass sie sich gut verstehen und miteinander arbeiten können. Zeitgleich gehen die beiden 2008 nach Paris, um bei Chloé und Balenciaga Praktika zu absolvieren. Eine Zeit, die vor allem das Bewusstsein für Qualitätsprodukte schärft. Die wichtigste Erkenntnis, die sie aus dieser Zeit mitnehmen: „Jeder kann Erfolg haben, wenn er seiner Linie treu bleibt.“ 2012 wagen Bradaric und Ohmae die eigene Labelgründung. Bradaric Ohmae entsteht zunächst als reine Modemarke. 2016 wird sie in Sagan Vienna umbenannt.

 

Meine Großmutter in OSAKA besaß einen MARCEL BREUER-STUHL, der von THONET hergestellt wurde. Er knarrte, wenn man sich daraufsetzte.

 

 

 

SAGAN Vienna_Vienna Bucket bag_Photo Monika Holzner

Im Rahmen des Designmonats sind Sagan Vienna den ganzen Mai über mit ihren Taschen zu Gast in der Suite von Kastner & Öhler in Graz. Treffen Sie dort die beiden Designer beim Meet & Greet am 18. Mai 2019 um 11:00 Uhr auch einmal ganz persönlich.


 

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Kastner & Öhler?

Wir sind viel international unterwegs, fliegen nach Paris und Tokio und verkaufen in Wien bei den Österreichischen Werkstätten und im Imperial Shop Vienna. Weil aber nicht jeder in die Hauptstadt zum Shoppen kommt, wollten wir etwas in den Bundesländern machen. Graz hat mit Kastner & Öhler ein wunderschönes Kaufhaus, das österreichischen Designern im Rahmen des Designmonats Graz eine Plattform bietet. Wir hatten davon gehört und kontaktierten Kastner & Öhler. Schnell stellte sich heraus, dass sie uns auch schon auf der Liste hatten.

Welche Taschen habt ihr für die Kooperation ausgesucht?

Wir werden eine Mischung aus Klassikern und neuen Modellen zeigen. Crossbody und Bucket Bags, die unsere Bestseller sind, und dann noch ein paar Überraschungen. Jedenfalls mit dabei sind auch unsere Modelle mit Hornverschlüssen und -henkeln, die man vielleicht schon vom Store der Hornmanufaktur Petz in der Murgasse kennt.

Was macht das Material Horn spannend?

Anfang 2018 lernten wir Thomas Petz kennen, der die 1862 gegründete Hornmanufaktur Petz von seinem Großvater übernommen hatte. Wir lieben das Material wegen seiner Vielseitigkeit und Individualität. Und es ist nachhaltig, weil es ein Nebenprodukt der Nahrungsmittelindustrie ist. Alles, womit wir arbeiten, begleitet uns länger als eine Saison. Es braucht Zeit, um ein Material kennenzulernen, um zu sehen, was man damit machen kann. Nach und nach entstehen dann mehr Ideen.

Welche Kleidung passt perfekt zu euren Taschen?

Jeder kombiniert unsere Stücke anders. Wir empfehlen ein schlichtes Outfit, bei dem unsere Taschen als Eyecatcher fungieren. Wir lieben einfache, hochqualitative Kleidung, etwa aus Kaschmir oder Merinowolle im Winter, die bequem ist und einen entspannten Arbeitsalltag zulässt. Wir mögen Klassik mit einem Twist, und eher nichts, das schreit.

Wie seht ihr das Modebewusstsein der Österreicher?

Die Österreicher trauen sich auf jeden Fall mehr als noch vor zehn oder 15 Jahren. Die Jugend ist stark von der Kunstund Sneakerszene beeinflusst. Aber auch von Musikern wie Yung Hurn oder Dorian Concept, die eine bestimmte Uniform vorgeben.

Was sind eure Zukunftspläne?

Wir planen eine Taschenkollektion für Männer. Weil diese aber eine gewisse Vorbereitungszeit braucht, muss man sich bis zum Sommer gedulden.

 

 

Vienna Crossbody Bag von Sagan Vienna um € 490,–.
Vienna Crossbody Bag von Sagan Vienna um € 490,–.
Crossbody Bag von Sagan Vienna um € 485,–.
Crossbody Bag von Sagan Vienna um € 485,–.

Louis Vuitton hat sein Monogramm, wir das WIENER GEFLECHT.

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