1873-1-2019 Seite 52

Hosenanzüge

Ein Klassiker erfindet sich neu — so cool waren HOSENANZÜGE noch nie! Farbenfroh und verspielt setzen sie ein starkes Zeichen für starke Frauen.

Die MÄDELS haben jetzt die HOSEN an

von MICHAEL PECH

fotos PILAR SCHACHER

 

Diese Liebeserklärung war ihrer Zeit weit voraus. Sie trug sich zu im Paris der Jahrhundertwende. Die Belle Époque steuerte auf ihren Höhepunkt zu, in den Cafés und Bistros knallten Champagnerkorken und so ausgelassen damals auch gefeiert wurde, die Damen hatten schwer an ihrer Mode zu tragen. An der Tagesordnung waren Korsetts, darüber Kleider aus unzähligen edlen Stofflagen – helle, zarte Farben, Spitze und Strass. Wunderschön, aber aufwendig. Mehrmals täglich wurden die Kleider gewechselt, ohne Hilfe war das meist nicht möglich.

All das wollte der junge Modedesigner Paul Poiret seiner schwangeren Frau Denise nicht zumuten. Also befreite er sie aus der engen Kleidung und entwarf ihr ein hübsches Hängekleid, dem er später Hosenbeine annähte. Der Vorläufer des ersten Hosenanzugs war entstanden, noch ehe die Gesellschaft dafür bereit war. Aber was zählt schon die Meinung anderer, wenn man verliebt ist?

 

Hose um € 229,– und Blazer um € 399,–, beides von Hugo Boss.
Hose um € 229,– und Blazer um € 399,–, beides von Hugo Boss.

Leger bis Business

Heute steht frau im Hosenanzug mit beiden Beinen fest im Leben. Egal ob zum festlichen Anlass, im Business oder beim legeren Hangout mit Freunden – der Hosenanzug ist mit dabei. Aber wie schon damals ist er auch heute noch viel mehr als bloß eine Modeerscheinung. Er ist ein Statement für die Frau, steht für Emanzipation, Gleichberechtigung und vor allem für weibliche Stärke. Der Unterschied zu anno dazumal: Der Hosenanzug macht gerade so viel Spaß wie noch nie. Es lebe die modische Unabhängigkeit!

So sieht es auch „Gossip Girl“-Darstellerin und Mode- Ikone Blake Lively: „Wenn eine Frau einen Anzug trägt, warum darf der dann nicht geknöpft sein oder ohne Shirt oder mit Kette? Oder eben sexy mit Krawatte? Alles ist erlaubt.“ Wie sehr die Schauspielerin auf diesen Look steht, demonstriert sie inzwischen regelmäßig und zeigt so ganz nebenbei auch die schier endlosen Varianten, in denen sich das Trendobjekt ausführen lässt: bunte Karos und oversized, puderrosa mit Krawatte, elegantes Weiß mit Palazzo-Hose oder, ganz „old school“, schwarze Hose mit Frack.

 

THE LADY IS A TRAMP - MARLENE-HOSE UND PLATEAUSCHUHE — LIZA MINNELLIS BÜHNENPRÄSENZ VERDANKT SICH NICHT ZULETZT DEM HOSENANZUG.
THE LADY IS A TRAMP - MARLENE-HOSE UND PLATEAUSCHUHE — LIZA MINNELLIS BÜHNENPRÄSENZ VERDANKT SICH NICHT ZULETZT DEM HOSENANZUG.

Jil Sanders Markenzeichen

Auch wenn der Hosenanzug derzeit so in ist wie ein Mini in den 1960er-Jahren, ganz neu ist er natürlich nicht. Die deutsche Designerin Jil Sander präsentierte 1973 bereits bei ihrer ersten Kollektion unter eigenem Namen luxuriöse Hosenanzüge, die zu ihrem Markenzeichen werden sollten. „Mir kam das damals gar nicht revolutionär vor, sondern längst überfällig“, erinnert sie sich später. „Schon als Kind hatte ich das Gefühl, ein Anrecht auf Hosen zu besitzen. Mir leuchtete nicht ein, dass Lehrer mir freundlicher begegneten, wenn ich einen Rock trug. Als ich dann selbst anfing, Hosen und Anzüge zu entwerfen, war das die Konsequenz eines langjährigen Bedürfnisses.“

Ein zeitloses Objekt also, dem wir durchaus verzeihen, dass es uns im Rausch der 1980er-Jahre mit seltsam geschnittenen Blazern und Schulterpolstern zu erschrecken versuchte. Da passte sogar das toupierte Haar gut ins Bild. Ein Gesamt- Fauxpas sozusagen. Das ist heute ganz anders. Der coole Zweiteiler bietet unzählige Kombinationsmöglichkeiten und ist die perfekte Basis für einen ganz persönlichen Look. Statt auf Klassik trifft der Hosenanzug auf bunte Farben, unkonventionelle Schnitte und kreative Styling-Möglichkeiten.

 

Mir kam das damals gar nicht revolutionär vor, sondern längst ÜBERFÄLLIG. Schon als Kind hatte ich das Gefühl, ein ANRECHT AUF HOSEN zu besitzen.

J I L S A N D E R

 

Vor allem Oversize gilt in diesem Jahr als das Nonplusultra. Das darf dann ruhig so aussehen, als hätte man den guten alten Anzug vom Papa aus dem Kleiderschrank gemopst und ein wenig aufgepeppt. Katie Holmes tanzte mit so einem Teil erst jüngst in New York an: Unter dem grauen Oversize-Blazer trug sie augenscheinlich absolut gar nichts, dafür zierten buschige Federn die Säume der Ärmel und Hosenbeine. Lady Gaga verzichtete sogar darauf. „Ich habe Kleid um Kleid anprobiert, ein enges Korsett, einen Schuh nach dem anderen, dazu Diamanten, eine Feder, Tausende von Perlen und die schönsten Seidenstoffe der Welt. Bis mir ganz schlecht wurde“, sagte die Sängerin und Schauspielerin, als sie im vergangenen Oktober auf der „Elle Women“-Gala zum Erstaunen aller im schlichten, übergroßen Anzug erschien. Ein Auftritt mit einer Botschaft, die um die Welt gehen sollte: „Dieses Outfit ist ein Akt der Freiheit, sich der Norm zu widersetzen. Mit dem Anzug habe ich mir die Macht zurückgeholt. Heute habe ich die Hosen an.“ Starke Worte einer starken Frau, Applaus von Frauen und Männern.

 

SKANDALÖS SEXY MARLENE DIETRICH IN HOCH SITZENDEN MÄNNERHOSEN, AUSSTAFFIERT MIT DEM ZIERRAT DER MACHT: SCHULTERPOLSTER UND SCHLIPS.
SKANDALÖS SEXY MARLENE DIETRICH IN HOCH SITZENDEN MÄNNERHOSEN, AUSSTAFFIERT MIT DEM ZIERRAT DER MACHT: SCHULTERPOLSTER UND SCHLIPS.

Vorkämpferin Marlene Dietrich

Das war nicht immer so. In den 1960er-Jahren wurde etwa der damals berühmten Sängerin Esther Ofarim der Zutritt zur Bar des Hamburger Atlantic-Hotels verwehrt, weil sie einen Hosenanzug trug. 1970 löste die deutsche Politikerin Lenelotte von Bothmer einen Skandal aus, weil sie es wagte, als erste Frau im Bundestag Anzug zu tragen. Dabei hatten sie alle eine prominente Vorkämpferin: Marlene Dietrich. In ihrem 1930 erschienen Kinofilm „Marokko“ singt sie in Männerkleidung. Ein Aufschrei unter den Leuten, ein neuer Stil für die Dietrich, die sich auch privat immer öfter im grauen Herrenanzug blicken ließ. Die Zeitschrift „Wiener Mode“ schrieb damals: „Wir haben uns zwar schon an den Anblick sonntäglicher Touristinnen oder Wintersportlerinnen gewöhnt, wollen aber nicht darüber hinwegkommen, dass sich die Kurven gereifter Weiblichkeit keineswegs anmutvoll in die Beschränktheit des dreiteiligen Herrenanzugs fügen.“

Gute Mode setzt sich am Ende aber immer durch und der Rest ist bekanntlich Geschichte: Noch heute kennt man die Marlene-Hose als eine weite Hose, häufig aus Tweed oder Wollstoff, mit geradem Bein, einem breiten Umschlag am Saum und einer Bügelfalte. Zeitlos elegant. Was damals – noch als Männerhose – aufregte, zählt heute zum guten Ton, selbst bei den höchsten Anlässen. Als Emma Thompson vergangenen Sommer von der Queen zur Dame geadelt wurde, trat die Schauspielerin im Buckingham Palast im blauen Hosenanzug auf und – Achtung Schrecksekunde – in Sneakers. Dabei machen genau die unterschiedlichen Styling-Möglichkeiten den Reiz aus: weite Hosen mit dem passenden Blazer, ein schlichtes T-Shirt, ein weites Hemd oder ein Spitzen-Top. Passt! Und bei den Schuhen? Ankle Boots gehen genauso zu Wide-Leg-Pants wie eben auch Sneakers oder Pumps. Von seriös bis sexy ist alles drin in dieser modischen Wundertüte.

 

Hose um € 279,– und Blazer um € 429,–, beides von Marc Cain Collection.
Hose um € 279,– und Blazer um € 429,–, beides von Marc Cain Collection.

Von Samt bis Satin

„Man sieht darin immer gut gekleidet aus“, sagt auch Liliana Klein, Gründerin der „Fashion Check-in“-Events und Mode-Expertin. „Wenig Nadelstreif, alles in einem Ton, zum Beispiel mit Rollkragen darunter – dahin geht der Trend“, meint die Wienerin. Und: Ein gut geschnittener Hosenanzug passt zu jeder Figur. Der Schnitt ist dabei jedoch ausschlaggebend und auch der richtige Sitz des Blazers ist besonders wichtig. Wer groß ist, greift zu Oversize mit fließendem Stoff, die Zierlichen zu schmal geschnittenen Modellen. Bei den Stoffen tauchen immer wieder zwei alte Bekannte auf: Samt und Cord. Vor allem Cord zeigt sich dabei nicht mehr nur im altmodischen Cognac-Ton, sondern kommt modern in hellen Farben daher – von hellgelben Tuxedos über rote Power Suits bis hin zu lindgrünen Modellen. Je wärmer es draußen wird, desto leichter werden auch die Stoffe. Hochwertige Seide und Satin umhüllen die Beine auch in diesem Jahr wieder stilvoll.

Der große Yves Saint Laurent übrigens hätte an dieser bunten Mischung seine helle Freude gehabt. Als der Modeschöpfer im Jahr 1966 den bis heute legendären „Le Smoking“ für Frauen in seiner Kollektion präsentierte, galt in Paris noch eine kuriose Regelung – Frauen durften im Büro gar keine Hosen tragen. Die Regelung beruhte auf einem Gesetz aus dem Jahr 1799: Während der Französischen Revolution war es Frauen nur mit einer offiziellen Ausnahmeerlaubnis erlaubt, sich wie Männer anzuziehen – außer sie waren zu Pferd oder auf dem Fahrrad unterwegs.

Catherine Deneuve fand sich 1967 als erste Kundin für „Le Smoking“ ein, Liza Minnelli und Bianca Jagger folgten. Zu ihrer Hochzeit mit Mick Jagger im Jahr 1971 trug Bianca das Modell in Weiß und setzte mit ihrem Auftritt ein besonderes Statement. „Coco Chanel gab den Frauen Freiheit, Saint Laurent gab ihnen die Power“, heißt es in der Modewelt. Doch das stimmt nicht mehr ganz so: Die Power haben die Frauen heute selbst – sie sind es nämlich, die die Hosen anhaben.

 

 

Wenig NADELSTREIF, alles in einem Ton, zum Beispiel mit Rollkragen darunter — dahin geht der TREND.

L I L I A N A K L E I N

 

 

 

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